Träume sind Schäume – oder nicht?

Meine Träume, ein Prinz und Opernsängerin

Meine Träume – mein Leben

Meine Träume, ein Prinz und Opernsängerin

Träume sind Schäume – ein Spruch, den ich noch aus meinen Kindertagen kenne. Aber ich liebe Schaum, besonders auf dem Kaffee und in der Badewanne. Also ist doch alles gut mit diesem Spruch.

Dies ist ein Beitrag, der hoffentlich noch mit in der Blog Parade von Lemondays veröffentlicht werden kann. Zum Zeitpunkt des Schreibens war es 22:30 h und um 0:00 zur Geisterstunde war Schluss mit Rumträumen. Denn das Thema dieses Jahr ist “Träumst du noch dein Leben oder lebst du schon deinen Traum?”

Irgendwie ein cooles Thema. Auch wenn meine erste Assoziation gleich IKEA, das schwedische Möbelhaus ist. Ich werde ständig auf die angesprochen, da mein Vorname “Hilkea” lautet – übrigens mit der gleichen Betonung. Deshalb habe ich auch immer wieder diese Sätze in meinem Kopf, die mit  “.. du noch…” starten und mit  “oder … du schon” enden.

Zum Beispiel passend zu meinem Business hatten wir schon: Atmest du schon oder stützt du noch? Schön ist auch: Schreist du noch oder singst du schon? Na, welchen Beruf habe ich?

richtig, Sängerin und Gesangspädagogin.

Oder auch “Schreibst du schon oder kritzelst du noch?”

Na??

Ja, Autorin bin ich auch. Das allerdings erst seit dem letzten Jahr, obwohl ich schon seit ich 14 Jahre alt bin Tagebuch schreibe.

Und nun zu meinen Träumen

Da ich erst auf den letzten Metern oder besser Minuten diese Blog-Parade entdeckt habe, mache ich es mir leicht und nehme die wunderbaren Fragen, die die Initiatorin auf ihrer Seite gestellt hat. Sie inspirieren mich und lassen mich beginnen zu träumen.

Und als ich sie las war mein nächster Gedanke vor allem: Wow, ich lebe meine Träume ganz schön viel und schon ganz schön lange. Jedenfalls die eine Seite. Komisch, dass ich gleich an den Beruf dachte. Sollte mir das zu denken geben? Aber dazu später.

Können wir unsere Träume wirklich leben?

Ja, daran glaube ich fest. Doch dazu müssen wir sie erst einmal kennen. Manche Menschen haben ihre Träume ganz klar vor ihrem Auge. Bei mir ist es eher so gewesen, dass ich etwas getan oder erlebt haben musste, um zu sagen: Ja, das möchte ich machen, das möchte ich beruflich unbedingt machen.

Meine ganzen Träume, die ich als Kind hatte, weiß ich nicht mehr. Aber der erste berufliche Traum, an den ich mich erinnere war Buchhändlerin. Ich bin eine absolute Leseratte, schon immer gewesen. Und in der 12. Klasse stellte ich mir vor, wie wunderbar es sein würde, doch lieber den ganzen Tag mit interessanten Büchern zu verbringen als in der Schule herum zu hocken und für das blöde Abitur zu lernen. Wer braucht schon Abitur, wenn man den ganzen Tag lesen kann?

Naja, ich machte dann doch mein Abitur. Warum, das ist eine ganz andere Geschichte.

Mein verschlungener Weg zum Musikstudium

Und dann wollte ich Musik studieren. Gitarre. Ich war auch ziemlich gut, konnte Bach und Manuel Ponce spielen und der Professor wollte mich auch nehmen. Nur dummerweise kam das Lampenfieber dazwischen. Ich spielte so miserabel, dass ich leider durch die Prüfung fiel. Also ein Jahr weiter üben, um es nochmal zu probieren.

Und in diesem Jahr nahm ich dann Gesangsunterricht. Das machten alle in meinem Chor so, auch meine beste Freundin, also tat ich es auch.

Was ist eigentlich mein Lebenstraum?

Und das war der Hammer!!! Keine Therapie, kein Gespräch mit einer guten Freundin, kein noch so cooler Freund machte so ein gutes Gefühl wie Schubert Lieder singen und Opernarien schmettern. Hoch und laut und unglaublich gefühlvoll. Was durfte ich leiden, was durfte ich schreien und hysterisch sein. Ich liebte alles Dramatische und der Herzschmerz konnte gar nicht qualvoll genug sein. Endlich alles aus mir heraus singen, was in meiner gesamten Pubertät so richtig blöd lief.

Dann also der nächste Traum: Opernsängerin werden, gefeiert werden, tolle Kostüme tragen, den Applaus entgegen nehmen, Bayreuth (denn unter Hochdramatischem Sopran wollte ich es nicht machen), Mailänder Scala (ich liebe Verdi Opern) und natürlich die Met. Die ist einfach berühmt, wer da singt hat es geschafft. Und ich wollte es schaffen. Was denn sonst?

Also wieder Aufnahmeprüfung. Operngesang. Hannover.

Und … wieder durchgefallen. Super Stimme, aber leider zu wenig Ausdruck im Schauspiel. Frust.

All die Zwischenschritte, die dann folgten erspare ich uns.

Ach, vielleicht noch ein kleines Zwischenspiel, die paar Semester Kulturpädagogik:

Da durfte ich dann in einem selbstgeschriebenen Stück zum Thema “Primadonna” den Hauptpart übernehmen. Großartig. Ich liebe Primadonnen. Die von heute und die ganz alten aus der Zeit Händels. Ganz großes Kino, äh, nein ganz große Oper.

Aber dann nach weiteren 4 Jahren schaffte ich endlich die Aufnahmeprüfung. Das Urteil dies mal: die Stimme, naja, da müssen Sie sich noch mächtig ins Zeug legen. Aber der schauspielerische Ausdruck? Super, Sie müssen einfach auf die Bühne. Wie es zu dieser ganz anderen Aussage der gleichen Prüfungskommission kam? Das ist wieder eine andere Geschichte. Mein Gott, wie viele Geschichten ich mittlerweile erzählen könnte.

Aber endlich war nun ein Traum wahr geworden.

Träume ändern sich – manchmal gezwungenermaßen

Wie dann allerdings der Traum zum Alptraum wurde ist wieder eine neue Geschichte.

Das mit der großen Opernsängerin wurde nicht wirklich etwas. Ich wurde eine kleine Opernsängerin, fuhr auf Tournee. Sechs Wochen Zarewitsch. Nein, nicht die Sonja (das ist die große Hauptrolle), sondern eine kleine Sprechrolle, im Chor singen, Requisiten, Beleuchtung und Bühnenaufbau. Auch spannend, aber nicht gerade mein Traum.

Nach vielen vermasselten Vorsingen merkte ich immer mehr, dass mir ein ganz anderes Genre mehr lag. Ich hatte ein unglaublich komisches Talent und liebte Deutsches Kabarett-Chanson. Friedrich Hollaender konnte ich sehr viel überzeugender rüber bringen als die tragischen Figuren der Oper. Die “Lieder eines armen Mädchens” waren mein Spezialgebiet und ich sang einen “Stroganoff”, den nur Helen Vita besser konnte als ich.

Und ich hatte angefangen zu unterrichten. Erst weil man irgendwie sein Geld verdienen muss. Und dann immer mehr aus Überzeugung. Es machte mir unglaublich Spaß, ich liebte Stimmen, ihren Klang und die Veränderungen, die passierten, wenn sie sich auf Neues einließen.

Ich studierte privat bei Eugen Rabine und wurde funktionale Stimmtrainerin nach der Rabine-Methode.

Mein neuer Lebenstraum

Nun wollte ich also eine genauso berühmte und gefragte Lehrerin werden, wie Eugen Rabine, zu dem die Menschen aus allen möglichen Städten, ja sogar aus anderen Kontinenten anreisten.

Ich kürze das ganze mal ab: das habe ich fast geschafft. Es hat ewig gedauert, aber voila, da bin ich. 2018 wurde ich mit zwei Kollegen nach Buenos Aires eingeladen, um dort zu unterrichten. Wir gaben einen Kurs für ca. 250 Menschen in einem Theater und unterrichteten dann noch 14 Tage öffentlich. Das war ein unglaubliches Erlebnis. Heute bin ich Certified Rabine Master Teacher. Davon gibt es nur 5. Und ich bin stolz und glücklich, diesen Titel tragen zu dürfen. Er zeugt von fast 30 Jahren intensiven Lernens und Auseinandersetzung mit der Stimme. Durch viele Höhen und Tiefen.

Aber genau das ist mein Ding. Menschen zu unterrichten. Opern-Profis, Rock- und Popsänger:innen und Menschen, die sich durch ihre Stimme entdecken wollen.

Wie finde ich heraus, was ich von Herzen will? Wie ich leben möchte? Was zu meinem Traumleben alles dazugehören würde?

Zur ersten Frage: ich probiere es aus und merke einfach, ob es mit meinem Herzen verbunden ist. So klar, so kurz, so einfach.

Die zweite Frage ist schon schwieriger. Wie ich leben möchte? Ich wollte immer, bis heute anders leben als ich lebe. Ich wollte ein eigenes Haus mit Garten haben, auf dem Lande. Aber ich lebe in einer Mietwohnung in der Großstadt.

Ich wollte immer einen schwarzen Porsche fahren. Isch ‘abe gar kein Auto ;-), nur ein E-Fahrrad und miete mir ein Auto, wenn ich es brauche.

Ich wollte viel Geld haben, damit ich großzügig sein kann und mir alles leisten kann, was ich möchte. Nunja, ich kann leben von meinem Beruf. Das ist großartig, denn von der Kunst leben können ganze 3% derjenigen, die das studiert haben. Ich bin also sehr erfolgreich, aber viel Geld sieht definitiv anders aus.

Frage drei, was zu meinem Traumleben alles dazu gehören würde… auf alle Fälle ein Mann. Ja, ich hatte es dann doch mit 35 geschafft, einen Mann kennenzulernen, in den ich mich so derartig verliebt habe, wir heirateten, bekamen einen wunderbaren Sohn zusammen und … trennten uns vor 2 Jahren endgültig. Aus der Traum. Das ging leider schief. Von einem Traummann träume ich nicht mehr, aber von einer neuen Partnerschaft träume ich schon immer wieder. Ich gebe euch Bescheid, wenn sich dieser Traum erfüllt. 😉

Wie groß darf ich träumen?

Also an der Größe arbeite ich noch. Beim Geld ist noch viel Luft nach oben. Da ändert sich seit Corona endlich mein Mindset, yeah. Da darf ich endlich groß träumen.

Bei der Männerfrage, da träume ich auch groß, aber da könnte auch trotz allem am Mindset noch das eine oder andere geschraubt werden.

Aber so allgemein würde ich sagen: ja, verflixt, wir dürfen ganz groß träumen! Ich auch, nicht nur die Anderen.

Ist das wirklich MEIN Lebenstraum?

Beruflich ein ganz klares JA. Ich finde es großartig, was ich tue. Ich bin glücklich und sehr zufrieden. Ich arbeite mit wunderbaren Kolleg:innen zusammen. Ja, Ja und nochmal Ja.

Ich glaube, das mit der Heirat und wie man so zusammen ist, das ist mehr ein Traum aus Büchern gewesen. Ich liebe nämlich Liebesromane. Ich wollte, dass es immer prickelt, total intensiv ist und verbunden. Halt Märchen, und wenn sie nicht gestorben sind und so. Aber im Grunde – und das weiß ich jetzt mit 59 Jahren – weiß ich gar nicht wirklich, wie und mit wem ich leben möchte. Da bin ich gespannt, wie denn MEIN Traum wirklich aussieht.

Warum ist es so schwer, für die eigenen Träume einzustehen?

Da gibt es wohl viele Gründe. Manchmal hat man uns nicht erlaubt zu träumen.

Wenn man immer hört, was man alles nicht kann, nicht werden kann, was lächerlich ist, was sich nicht geziemt, was eine brotlose Kunst ist. Für den tollen Kerl, den man sich wünscht sei man nicht hübsch, nicht reich, nicht begabt, nicht … halt einfach nicht genug, dann glaubt man nicht, dass man ein Recht hätte, sich einen Beruf oder gar einen Mann wirklich aussuchen zu dürfen.

Ich habe lange gedacht, ich müsse nehmen, was mich mag. Nicht etwa umgekehrt. Das war eine traurige Phase meines Lebens. Die ist vorbei, lange vorbei, puh, da bin ich froh.

Glücklicherweise war mir das im Beruflichen völlig schnurz.

Manchmal haben wir auch einfach keine Vorbilder. Gerade als Frauen. Aber natürlich gilt das auch für Männer. Ich sah vor drei Tagen den Film “Billy Elliot”, wunderbar, berührend, hinreißend. Jemand der seinen Traum doch noch lebt.

Aber ich schweife ab. Das mit den Vorbildern traf auf mich nicht zu. Berühmte Primadonnen gab es immer. Auch tolle Gesanglehrerinnen kennt die Geschichte.

Wann ist das beste Alter, um die eigenen Träume umzusetzen?

Dafür gibt es kein bestes Alter finde ich. Die Träume sind immer dem Alter entsprechend, jedenfalls bei mir. Mit 14 hatte ich andere Träume als mit 30 oder jetzt, wo ich im nächsten Jahr 60 Jahre alt werde.

Das Wichtigste für mich ist, dass wir immer noch welche haben. Selbst wenn wir glücklich und zufrieden sind. Träume sind so wichtig. Sie machen uns lebendig, lassen uns nach vorne schauen, machen uns neugierig und wagemutig. Ich liebe meine Träume.

Passen meine großen Träume in mein jetziges kleines Leben?

Ich muss doch sehr bitten. Was für eine Frage. Also mein Leben ist definitiv nicht klein. Und jeder Mensch, von dem ich am Anfang dachte, er sei langweilig, spießig, unbedeutend und was auch immer, zeigt sich bei genauerem Kennenlernen und eingehender Betrachtung als ein so vielschichtiges, spannendes Wesen, dass ich heute Niemandes Leben als klein bezeichnen würde.

Auch wenn manche das von sich selber denken. Aber deshalb ist es trotzdem nicht die Wahrheit.

Wie hole ich mir meine Träume ins echte Leben?

Indem ich sie tue, Schritt für Schritt auf sie zugehe. Sie vor allem erst einmal für möglich halte. Und mir dann Unterstützung suche, wenn ich merke, dass ich es allein nicht schaffe. Hilfe suchen, Hilfe annehmen sind wichtige Werkzeuge, wenn es um die Umsetzung von Träumen geht, wie ich finde.

Und damit komme ich zu meinem zweiten großen Traum, den ich gerade verwirkliche.

Ich schreibe ein Buch. Darüber findet man auf diesem Blog eine ganze Menge. Mich als Autorin zu bezeichnen, war ein großer Schritt. Und dazu hatte ich Hilfe. Von einer wunderbar, verrückten Frau. So einer wie ich, die uns, die mir die Aufgabe stellte, an einem bestimmten Tag mindestens 5 Menschen zu erzählen, dass ich Autorin bin.

Das hat mich was gekostet. Das war vor gut einem Jahr. Und jetzt ist es ganz selbstverständlich geworden. Mein erstes Buch wird nächstes Jahr erscheinen, wie ich ganz stark hoffe und ich bin total gespannt.

Was unterstützt mich, um meine Träume wahr werden zu lassen?

Also ein ganz alltäglicher Tipp: Sich Träume eingestehen und dann umsetzen. Und wenn es noch nicht recht klappen will, Hilfe holen.

Und da fällt mir zum Schluss noch eine tolle Übung ein. Die habe ich bei Olivia Bryant bzw. Robin Dalzen kennen gelernt. Das Wanting-game. Eine Person sagt immer: I want … und die Antwort lautet jedes Mal: it’s good to want.

Diese Übung hat mich unglaublich berührt. Sich alles wünschen zu dürfen, alles wollen zu dürfen. Egal, wie unrealistisch es ist, wie größenwahnsinnig, wie abwegig. Allein dass jemand da war, die immer wieder sagte: it’s good to want hat mich wachsen lassen. Hat mein Herz sich öffnen lassen. Hat mich ganz weit werden lassen.

Ein toller Satz: It’s good to want.

Und auf Deutsch ist dies für mich eine wunderbare Frage: können wir es für möglich halten?

Seit ich diesen Satz das erste Mal von einer alten, weisen Gesangslehrerin hörte begleitet er mich. Und ich frage mich das bei vielen Gelegenheiten.

Träume Zengarten mit Stein

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Hilkea, du hast es mal wieder geschafft, mich tief zu berühren. Abgesehen davon, dass wir äußerlich unterschiedliche Leben leben, ist es innen manchmal erschreckend deckungsgleich. Ich werte das als ein gutes Zeichen für unser traumhaftes und visionäres Blog-Buddying 😊. Liebste Grüße

  2. Liebe Hilkea,

    es gibt Artikel, die überfliege ich.
    Dann gibt es welche, die haben interessante Abschnitte.
    Andere lege/klicke ich nach den ersten Sätzen wieder weg, weil sie mich bestenfalls nicht berührt haben.

    Und dann gibt es welche, die machen mich neugierig, sehnsüchtig, treiben mir die Tränen in die Augen, bringen mich zum Staunen und öffnen mein Herz.
    Dies ist einer davon, und ich bin sehr froh, dass Du ihn veröffentlicht hast!

    Danke dafür!

    Sabine, keine Blog-Buddy, aber überzeugte “Zwillingin” 🙂

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