„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ (Hermann Hesse – Stufen)
Auch diesem Anfang, den ich seit 2021 immer wieder mache, wohnt ein Zauber inne. Es geht um Mein Buch.
Damals habe ich mit der Hilfe von Monika Stolina meine ersten Entwürfe und Texte geschrieben. Interessant war es für mich, über diesen ersten Urknall noch einmal zu lesen. Wo stehe ich heute und was ist seitdem passiert?
Jetzt habe ich mir wieder Hilfe geholt. Diesmal nicht zum Schreiben, denn schreiben geht gut, sondern Hilfe, um endlich zu Ende zu schreiben. Mich zu fokussieren, mich selbst zu organisieren.
Und ein Aspekt dieser Hilfe ist, darüber zu schreiben und zu sprechen. Und es öffentlich zu dokumentieren. Das macht positiven Druck und Excitement.
Und du findest in diesem Artikel meinen Fortschritt aus Woche 1.
Worte, Zeichen, aber vor allem Themen und Gedanken.
Eine Rückmeldung, die ich brauchte
Diese Woche hat ein krasses, persönliches Ereignis meine Sichtweise geprägt. In unserer Master-the impossible-Gruppe habe ich auf eine Rückmeldung von Erika Magyarosi unter diesem Eindruck folgendes geschrieben:
„Liebe Erika, zwei Wörter sind mir ins Auge gefallen in deiner Rückmeldung: „rebellisch“ und „mein Buch nicht aufgeben“. Und meine Gedanken drehen sich gerade wie verrückt.
Ich habe das Gefühl, dass ich dieses Buch nicht so schreiben kann, wie ich es mir noch vor einer Woche vorgestellt hatte. Es hat mich so sehr beschäftigt: Was erwarten DIE LEUTE von mir, was wollen SIE lesen? But it is MY fucking book, und natürlich ist es ein Fachbuch, es ist kein Roman, und andererseits ist es wie ein Roman, geschrieben aus meiner Erfahrung mit der Art, wie ich meine Arbeit mache, wie ich meine Arbeit als Mensch, als Sängerin, als Forscherin im Bereich Stimme und Nervensystem verstehe und lebe.
Seit drei Tagen gebe ich hier in Wachenheim Unterricht über komplexe und komplizierte Themen der Stimmphysiologie, und alles, was ich sehe, ist, was für ein Wunder unsere Stimme ist. All diese Gefühle, all diese Mystik sind meine Sichtweise auf ein komplexes Thema, wie es die Stimme und das Nervensystem sind.
Kannst du dir überhaupt vorstellen, wie das alles aufgebaut ist und es möglich macht, so etwas Unglaubliches wie Opernsingen und das Auftreten auf der Bühne zu vollbringen? Und wie könnte ich nicht darüber schreiben, denn das ist meine innere Welt? Ich kann nicht anders unterrichten, als ich bin; ich kann nicht mein Kollege oder jemand anderes sein. Und ich kann kein Buch für jemand anderen schreiben.
Es muss ein Buch sein, das ich für mich schreibe.
Und gerade in dieser Situation, in der ich nicht leugnen kann, dass der Tod uns alle erwartet und wir nie wissen, wann er uns ereilen wird, muss ich aufschreiben, was mir wichtig ist. Es geht natürlich um die Stimme, es geht natürlich um das Nervensystem, aber es geht auch um meinen Lebensweg mit diesen beiden Themen. Ja, vielleicht ist das nicht ganz so, wie die Leute es erwarten, but it is my fucking book.
Es fühlt sich an, als würde in diesem Moment eine fremde Kraft mein Gehirn übernehmen. Aber vielleicht bin ich es einfach, so authentisch wie selten in dieser Ausnahmesituation.“
Das Sterben – und was es mit dem Gedanken über mein Buch gemacht hat
Das war vor einer Woche.
Und gestern trat ein, wovor ich immer wieder zurückgeschreckt bin seit Januar, wovor weite Teile von uns zurückschrecken: Der TOD.
Meine kleine Schwester ist gestorben. Jetzt ist sie bei unserem Vater, der vor etwas mehr als einem Jahr gestorben ist.

Und ich sitze hier und schreibe weiter an meinem Buch über die Stimme und das Nervensystem. Wozu, wenn wir doch alle sterben? Und nicht einmal wissen, wann es so weit ist.
Und doch hat es nach dem allerersten Schock, der mich wie in Watte den Tag verbringen ließ, heute Morgen, am Freitag, dem 22. Mai angefangen zu arbeiten. Ich habe eine erste Form geschrieben, für wen dieses Buch ist.
Für wen mein Buch ist:
Es ist für die Sänger:innen, mit denen ich über all die Jahre die große Freude hatte zu arbeiten und die aktuell mit mir arbeiten. Im 1:1, in kleinen und in großen Seminaren, innerhalb Deutschlands und mittlerweile weltweit.
Und gleichzeitig ist es für alle, die täglich mit ihrer Stimme umgehen. Für die, die vor Menschen sprechen. Die ihre Botschaft über ihre Stimme rüberbringen möchten. Für alle die, die sich fragen, ob Stimme eigentlich Schicksal ist, Talent, Veranlagung oder ob sich irgendetwas daran ändern lässt.
Für alle die, die sich fragen, ob man Singen lernen kann und ob man die Sprechstimme verändern kann. Und es ist für die, die sich um die Gesundheit ihrer Stimme kümmern oder sorgen. Denn das ist ein oft vernachlässigter Aspekt, wenn es um die eigene Stimme geht. Und es betrifft sowohl Profis als auch Laien, es trifft berühmte Sänger:innen und Sprecher:innen und jeden Menschen, der seine Stimme benutzt.
Kurz geht bei mir nicht 😉
Deshalb ging bei mir die Beschreibung noch weiter.
„Die gute Nachricht ist: Deine Stimme das bist du. Nichts spiegelt uns und unsere Persönlichkeit so wider wie die Stimme. Nichts ist stärker mit unserer Identität verbunden wie unsere Stimme.
Und doch ist die eigene Stimme nichts Festes und Starres, was unabänderlich mit uns, in uns gefangen ist. Die Arbeit mit der Stimme kann Transformation sein. Transformation des eigenen Klanges und Transformation unserer Persönlichkeit. Denn der Mensch und seine Stimme gehören zusammen. Verändert sich die eine, verändert sich der andere. Es geht nicht anders. Und genau hier liegt die unglaubliche Chance.
Und genau hier liegt meine persönliche Faszination. Arbeit mit der Stimme ist immer Arbeit mit den Menschen, die vor mir stehen. Und diese Transformation einzuleiten, sie zu begleiten das ist die Faszination meines Berufes.
Dies Buch ist für alle, die ihre Stimme erheben. Sei es auf der Bühne als Sänger:in oder Speaker:in, aber auch überall, wo deine Stimme gehört werden sollte und deine Persönlichkeit die Bühne betreten möchte.
Am Ende möchte ich, dass du viel mehr weißt über deine Stimme. Dass du weißt, wie sie funktioniert, welcher Cocktail dazu gehört, um sie verändern zu können. Ich möchte, dass du mit deiner persönlichen Stimme mit Sicherheit auf die Bühne gehen kannst. Dass du mit deinem Publikum authentisch und wahrhaftig kommunizieren kannst, sodass deine Botschaft ehrlich und unverstellt ankommt. Und dass du verstehst und erlebst, wie wichtig dein Nervensystem dabei ist. Es spielt eine große Rolle, denn es liefert dir die ganze Zeit den Subtext unter jeder Phrase, die du singst und unter jedem Wort das du sprichst. Beide sind ein starkes Team und ich hoffe, dass du am Ende des Buches Ideen hast, wie du mit diesem Team auf die bestmögliche Art zusammenarbeiten kannst.“
(Noch mehr über mich, meine Arbeit und meine Angebote findest du auf meiner weiteren Webseite Hilkea Knies)
Die Überschriften, die ich mir für mein Buch vorstelle
Und ich habe die Themen aufgeschrieben, über die ich schreiben möchte. Das klingt nicht super systematisch, das klingt nicht wahnsinnig wissenschaftlich, vielleicht klingt es schon gar nicht nach Fachbuch. Aber:
ES KLINGT GANZ NACH MIR UND MEINEM BUCH
Und genau das ist es, was ich in die Welt bringen möchte. Diesen Beitrag, meine Sichtweise auf ein Thema, was mich seit Jahrzehnten fasziniert.
DAS SIND MEINE THEMEN:
Stimme, das universale Instrument
Nervensystem, pure Kommunikation
Zusammenarbeit, Sicherheit kommt vor dem Hohen C
Authentizität, im Unterricht und auf der Bühne
Bühnenangst, Bühnenaufregung, Bühnenlust
Stimme als Identität
Talent oder Übung? Wahrnehmung und Transformation der Stimme
Der Mensch hinter der Stimme, deine Stimme, das bist du
Ich widme das Buch meiner Schwester

Danke für diese Idee, liebe Erika. Ich möchte dies Buch meiner Schwester widmen. Manchmal muss der Tod so nah kommen und uns nicht nur anwehen, sondern förmlich umhauen, damit etwas klar wird: Das Leben findet nicht in einer Woche und nicht in 10 Jahren statt. Es findet statt, jetzt, wo ich in die Tasten haue, wo ich die Tasten fühle und höre. Es hat stattgefunden als ich sie ein letztes Mal gesehen habe, sie gehört habe, sie umarmt habe, mit ihr gelächelt habe und Cappuccino getrunken habe. An diesem Bett war ein Jetzt. Und jetzt ist ein neues Jetzt. Immer wieder neu JETZT.
Und jetzt schreibe ich meinen Blogartikel und jetzt schreibe ich mein Buch.
Liebe Hilkea, danke für diesen so persönlichen und damit so nahbaren Blogartikel. Zuerst mal mein herzliches Beileid.
Ich glaube sehr stark an Energie und deshalb verwundert es mich gar nicht, dass ich genau zu deinem Artikel kam. Deine Worte gehen mir sehr nahe und gleichzeitig machen sie auch Mut. Mut zu schreiben, im Jetzt zu sein und alles zu verarbeiten.
Alles Liebe
Stella