Die goldenen Tore – die menschliche Mimik

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Die menschliche Mimik

Das Wort Mimik stammt ethymologisch vom Altgriechischen mimikós, den Mimen betreffend ab. Das finde ich erstaunlich, denn die Mimik hat in den allerseltensten Fälle etwas mit Schauspielerei zu tun, sondern zeigt uns oft sehr ungeschminkt. Sie zeigt unsere Gefühle, wenn wir nicht gerade die Fähigkeit zum Pokerface haben. Und wenn wir offen sind, dann ist die Mimik das Tor zu unserer Innenwelt, die wir auf diese Weise anderen Menschen zeigen.

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Es gibt willkürliche und unwillkürliche menschliche Mimikmuskeln. Mimik ist sichtbarer Selbstausdruck, mit und gegen unseren Willen.

Wir haben sehr unterschiedliche Bereiche im Gesicht, die anderen Menschen spiegeln, wie wir uns fühlen.

Da haben wir den Augenausdruck. Alle Muskulatur um die Augen bis hin zur Stirn helfen dabei mit. Wir können finster drein blicken oder jemanden anstrahlen. Probiert das ruhig mal aus, dann könnt ihr spüren, wie sich einmal alles zusammen und in der Gegenrichtung auseinander zieht.

Wir haben also radiäre, strahlenförmige, ausstrahlende Muskeln und zirkuläre, ringförmige Muskeln. Die Wortbedeutung von radiär hat es mir gleich wieder angetan, denn natürlich haben besonders unsere Augen eine Ausstrahlung.

Auch die Linien um den Mund zeichnen ein recht klares Bild unserer Emotion. Sind die Mundwinkel nach unten gezogen, schauen wir mürrisch und unzufrieden drein? Sind wir eher ein Breitmaul- oder ein Spitzmaulfrosch?

Hilkea Knies menschliche Mimik

 

Haben wir wie manche Berufsgruppen die Lächelkrankheit und damit sehr ausgeprägte Apfelbäckchen? Nutzen wir die Lippen, um zu schmollen? Nutzen wir die Lippen, um sie verführerisch zu schürzen? Haben wir einen ausgeprägten Kaumuskel und zeigen damit, dass wir hart im Nehmen sind?

Mimik und emotionaler Ausdruck

Nirgends so deutlich wie im Gesicht geht der emotionale Ausdruck mit einer Muskelbewegung einher. Das kann so prägend sein, dass wir manchen Menschen gegen Ende ihres Lebens ansehen können, welche mimisch sichtbaren Emotionen in ihrem Leben vorgeherrscht haben.

Überall im Körper werden die Muskeln von Faszien umhüllt, im Gesicht nicht. Denn wir wollen so unverstellt wie möglich sehen, welche mimischen Bewegungen unser Gegenüber macht. Deshalb kann der Oberschenkel auch nicht lachen, aber das Gesicht schon, wie ein lustiger Anatom einmal sagte.

Der Gesichtsausdruck zeigt ganz ehrlich, wer wir sind und wie wir drauf sind, so könnte man sagen. Das schafft Sicherheit, wenn wir wissen, das Gegenüber ist uns wohlgesonnen. Oder aber auch, wenn wir sehen, dass jemand wütend, traurig, in sich gekehrt ist. Das gibt uns Orientierung, die wir im Miteinander brauchen.

Denn dazu ist sie da, die Mimik, um unseren Mitmenschen emotionale Signale geben zu können. Das ist anscheinend weltweit sehr ähnlich. Die Grundemotionen werden auf der ganzen Welt ähnlich ausgedrückt.

Ein Mann, der das näher erforscht hat, ist Paul Ekman. Er beschäftigte sich stark mit  micro-expressions und übte selbst, wie er sämtliche Mimikmuskeln einzeln kontrahieren und so die verschiedensten Gesichtsausdrücke hervorrufen konnte. Und er fand über die micro-expressions heraus, dass wir immer kleine mimische Gesichtsausdrücke haben, die wir nicht kontrollieren können und die uns im Zweifelsfall verraten, wenn wir uns Menschen gegenüber sehen, die das lesen und deuten können. Was für ein spannendes Gebiet.

Sicherheit durch die menschliche Mimik

Unter diesem Hintergrund der Emotion und der Sicherheit, die unser Gesicht spiegelt, ist es um so tragischer, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Menschen heute ihr Gesicht liften und operieren lassen. Manchmal so lange bis kaum noch etwas von ihnen übrig ist. Gerade für Schauspieler:innen ist das natürlich fatal, weil die Lebendigkeit mehr und mehr leidet.

Aber für das Miteinander hat es auch Konsequenzen. Denn wir spüren, wenn wir jemanden ansehen, ob dies Gesicht lügt oder nicht. Und so werden wir uns sicher oder in Gefahr mit jemandem fühlen. Gerade Menschen, die sich operieren haben lassen, damit sie schöner werden, damit sie geliebt werden, werden u.U. das Gegenteil erfahren. Denn wir verlieben uns nicht so schnell in Menschen, mit denen wir uns nicht sicher fühlen. Mit ihnen teilen wir weniger unsere Gefühle und Gedanken, sie sind uns nicht so sympatisch in unserem Inneren. Wir mögen sie schön finden, aber wir werden nicht warm und wissen meist nicht einmal warum.

Die Neurobiologie lässt sich einfach nicht betrügen, Schönheitsideale hin oder her. Und das ist oft eine sehr tragische Geschichte.

Schönheitsideal?

Und wo wir schon bei der Schönheit sind. Angeblich finden wir das am schönsten, was ebenmäßig ist. Das bedeutet, dass die Gesichtshälften möglichst gleich sein sollten. Das finde ich sehr spannend. Ich habe innerhalb meiner ersten Körperpsychotherapie mal ein Bild von mir genommen und die jeweilige Gesichtshälfte gespiegelt.

Hilkea Knies Mimik zwei Gesichtshälften

Die Seiten waren deutlich unterschiedlich. Ich glaube, wir haben das damals auch psychologisch gedeutet, davon weiß ich allerdings nichts mehr.

Aber vielleicht habe ich den einen oder die andere neugierig gemacht, welche zwei Seelen sich nicht “ach in eurer Brust” befinden, sondern sich in eurem Gesicht zeigen.

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