Mein Körper und ich: Alexander­technik und Rücken­schmerzen

Röntgenbild Rücken

Mein Körper und die Skoliose

Mit meinem Körper und seiner Aufrichtung bin ich gefühlt schon fast mein ganzes Leben beschäftigt.

Als Teenager musste ich regelmäßig zur Krankengymnastik gehen, da ich eine Skoliose habe. Schon mit 17 Jahren durfte ich mir anhören, dass ich mit 30 Jahren nicht mehr gehen werde können und ständig Schmerzen haben werde, wenn ich nicht täglich meine Übungen machen würde. Und das, obwohl ich, wie mir später bei der Spiraldynamik gesagt wurde, nur ein Skoliöschen hatte, was kaum einer bei mir sieht, da ich mich schon sehr viel mit Körper beschäftigt habe und als junges Mädchen anfing zu turnen und ewig Ballett gemacht habe.

Im Gipsbett habe ich auch jeden Mittag liegen müssen. Mein Gott, war das langweilig. Und wie man heute weiß, bringt das überhaupt gar nichts. Glücklicherweise bekam ich nicht auch noch ein Korsett verpasst.

Hilkea Knies 1972
Das bin ich in dem Alter, in dem ich im Gipsbett liegen musste. Von dem Teil existiert leider kein Photo. Solche Sachen waren damals nicht so sexy, um sie aufzunehmen. Heute hält man ja alles in Bildern fest 😉

Natürlich habe ich meine Übungen nicht gemacht, meine Mutter konnte mich gar nicht so viel beaufsichtigen, wie nötig gewesen wäre. Und immer wieder durfte ich mir von Krankengymnastinnen anhören, dass ich keine Rückenmuskulatur hätte, dass ich mehr trainieren müsse.

Aber alle Übungen, die mir gezeigt wurden hatten nur einen einzigen Effekt auf mich: ich bekam jedes Mal Kopfschmerzen.

Damit war für mich die Krankengymnastik irgendwann gestorben. Heute gehe ich nur zu Menschen, die zusätzlich noch Osteopathie gelernt haben, da ich den anderen nicht vertraue.

Rückenschmerzen, und was nun?

Aber leider blieben die mir prophezeiten Rückenschmerzen nicht aus. Und es ging sogar schon mit Anfang 20 los. Ich konnte mich irgendwann nur noch mit Mühe über die Badewanne zum Haare waschen beugen. Ich kam kaum wieder hoch.

Ich lief von einem Orthopäden zum anderen, aber sie hatten keine Ideen, außer mich zu den schon oben beschriebenen Krankengymnast:innen zu schicken. Analyse: Fehlanzeige. Ist halt Skoliose, kann man nichts machen. Punkt.

Ich habe keine Erinnerung mehr, wer mir dann die Alexandertechnik empfahl. Auf alle Fälle klang es interessant genug, dass ich zu jemandem ging, der diese Methode bei mir anwendete. Endlich keine Kopfschmerzen, keine nervigen Übungen. Ich lag einfach auf einem Tisch, mit Büchern unter dem Kopf und wurde behandelt. Hinterher fühlte ich mich krumm und schief, aber der Blick in den Spiegel zeigte jedes Mal, dass ich wunderbar gerade war, keinerlei Seitendifferenzen rechts und links mehr hatte, was die seitliche Neigung meines Körpers anging.

Und mir kam es wie ein Wunder vor, dass ich mich schon nach einigen Wochen ohne Schmerzen wieder über meine Badewanne beugen konnte. Und damals war es für mich noch sehr erstaunlich, dass ich auch einen Unterschied in meiner Stimme bemerken konnte. Sie bekam mehr Klang, es fühlte sich leichter an.

Deshalb nahm ich auch später gern wieder eine Angebot wahr, als ein Alexanderlehrer und Gesangslehrer einige Menschen von uns an der Hochschule in Hannover unterrichtete.

Rückgrat zeigen, aufrichtig sein

Ich war so froh, dass ich mich weiter umgehört hatte, dass ich nicht einfach akzeptiert hatte, dass ich nichts weiter tun könnte. Dass ich die Dinge hinterfragt hatte, mich nicht hatte abspeisen lassen. Ein Wesenszug, der mir in meinem Leben noch oft zugute gekommen ist. Hatte ich damit nicht auch Rückgrat bewiesen, wie man so schön sagt? Ich mag diese Art der Sprachübertragung von einem ganz konkreten körperlichen Zustand auf eine innere Haltung. Denn viel später stellte ich mir die Frage, was die Aufrichtung mit dem aufrichtig sein zu tun hat. Darüber habe ich auf unserem Blog bei Voice Experience einen Artikel geschrieben.

Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde für mich klar, dass Aufrichtung, sich beim Singen wirklich öffnen können, aufrichtig sein und Stimme so viel miteinander zu tun haben.

Schmerz als Katalysator

Heute betrachte ich manche Schmerzen gern als Entwicklungsschmerzen. Ohne das Leiden wäre ich nicht auf die Idee gekommen zu fragen und zu suchen. Im Nachhinein bin ich meiner Skoliose sehr dankbar, die mich immer wieder einlädt, mich mit mir und meinem Körper zu befassen. Ich sehe ihn nicht wie die Franziskaner, die ihn gern als Bruder Esel bezeichnet haben, weil er so eigenwillig und störrisch ist. Nein, ich finde mein Körper weiß gut, was er braucht und er wünscht sich, dass ich es bemerke und darauf angemessen reagiere. 

So können mein Körper und ich als eine Einheit unser Leben meistern. Und ich bin jeden Tag aufs neue fasziniert, wozu wir gemeinsam in der Lage sind. Daher rührt auch meine Faszination der Anatomie, Physiologie und Neurologie. Denn je mehr ich da hinein tauche, desto reicher, umfassender und bunter wird die Welt, die es dort zu entdecken gibt.

Anekdote am Ende, die ich allerdings immer noch nicht wirklich lustig finde: Ich kam das nächste Mal zu meinem Orthopäden und erzählte ihm mit Begeisterung, ich habe keine Schmerzen mehr und könne mich wieder bewegen. Aber auf meine Frage, ob er wissen wolle, wie ich das geschafft hätte, sagte er schlicht und einfach: NEIN. Das hat mich so verblüfft, dass ich nichts mehr dazu sagte, aber dort nie wieder hin ging. 

Vielleicht war das gut so, denn auf die Weise lernte ich, mehr und mehr auf meinen Körper zu hören, statt auf externe Autoritäten. 🙏

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.