Mein Anfang mit der Körper­psycho­therapie

Hilkea Knies, im Liegen, in eine Sitzung der posturalen Integration

Ich und die Körperpsychotherapie

Interessiert hat mich die Psychologie schon immer. So jedenfalls kommt es mir vor. Ich war mit 12 Jahren in einer Kinder- und Jugendtherapie, da mein damaliger Hausarzt zu meinen Eltern meinte, vielleicht täte mir das gut, denn mein Asthma könne psychische Ursachen haben. Ein wirklich fortschrittlicher Gedanke 1974.

Die Gespräche dort waren sehr gut für mich. Endlich ein Mensch, eine Frau, die sich meine Probleme anhörte und mich ernst nahm. Nicht dass meine Eltern mich nie anhörten oder nicht ernst nahmen, aber ihr wisst sicherlich, wie Eltern so sind. Besonders in den Augen einer 14-Jährigen. Alle Eltern werden dann auf einmal schlagartig komisch, sind peinlich und vor allem verstehen sie uns NIE!!

Diesen Gesichtsausdruck habe ich dann später mit 14 und 15 noch etwas ausgebaut in Richtung totaler Genervtheit ;-). Hier bin ich “erst” 13

Die Pubertät und die Psychologie

Ich fand die Psychologie in der Pubertät unglaublich spannend. In erster Linie, weil ich verstehen wollte, was da auf einmal mit mir passierte. Und der größte Antrieb war, “Das” unter Kontrolle zu bekommen. Diese ganzen heftigen Gefühle, all die Wünsche, all die Körperempfindungen, dir mir ständig zu entgleisen schienen.

Und vor allem, wie kann ich so sein, dass mich die coolen Typen auch endlich süß finden und nicht immer meine Freundinnen vorziehen?

Die süßen Jungs meiner Zeit sahen etwas anders aus, aber der trifft es ganz gut 😉

Wie kann ich Ich sein? Aber wie kann ich auch interessant sein? Ist das ein Widerspruch? Was machen die Mädchen, mit denen alle Jungs gehen wollen? Wie ich kann ich Körpersprache lesen lernen? Wie verstehe ich mich und andere?


Wie man sich denken kann, war das Unterfangen über das Lesen von Büchern glücklicher zu werden und sich endlich die süßen Typen zu angeln komplett zum scheitern verurteilt. Sie fragten mich, was sie tun sollten, um sich dann weiter an die anderen Mädels heran zu machen. Ich war sehr oft die wirklich gute Freundin. Hm, nicht die Rolle, die ich als 14-Jährige ersehnt habe, aber anscheinend war ich die absolute Traumbesetzung.

Trotz des etwas verfehlten Starts in mein Leben, war die Psychologie ein so spannendes Gebiet, dass ich auch später, als ich mir selber sicherer wurde weiter las und mich bis heute immer noch intensiv damit beschäftige. Und es kam meiner Tätigkeit als Gitarren- und Gesangslehrerin sehr zugute.

Okay, okay, da lernte ich noch. Unterrichten tat ich erst 3 Jahre später meine erste Gitarrenschülerin

Erste Erkenntnisse über Emotion und Gesang

Wesentlich später in einer Gesangsstunde bei meinem ersten funktionalen Lehrer Michael Heptner kamen sie auf einmal wieder, diese Gefühle, von denen ich keine Ahnung hatte, warum sie so plötzlich da waren. Ich stand auf einmal im Unterricht und konnte einfach nur noch weinen, weil mein Vokaltrakt, mein Raum für die Stimme sich plötzlich geöffnet hatte, so dass ein großer Berg von alten Gefühlen durch all die Tränen an die Oberfläche drang. Und mir war klar, dass ich mir eine Therapie suchen sollte, die den Körper mit einbezieht. Gleichzeitig wollte ich Therapie und Gesangsunterricht auf keinen Fall vermischen. Das halte ich auch heute als Gesangslehrerin so, obwohl ich mittlerweile drei Therapieverfahren mit Abschluss gelernt habe und viele Trainings in Selbsterfahrung hinter mir habe.

Ich stellte fest, dass die Schwierigkeiten mit der Atmung nicht nur von meinem Asthma herrührten, sondern auch eng mit dem Zurückhalten meiner Emotionen verbunden waren. Und da ich nun einmal das Atmen fürs Singen brauchte, begab ich mich mit klopfendem Herzen in ein Vorgespräch mit einem Therapeuten für Posturale Integration.

Posturale Integration

Die Posturale Integration ist eine Körpertherapieform, die viele verschiedene Aspekte der damals neuartigen Methoden in sich vereinte. Ich lernte innerhalb der Ausbildung viel über Traditionelle chinesische Medizin, beschäftigte mich mit NLP und Gestalttherapie, aber vor allem lernte ich tiefe Bindegewebsarbeit kennen, wie sie in den 60er Jahren von Ida Rolf entwickelt und in anderen Therapieverfahren auch genutzt wurde.

Meine damalige wundervolle Ausbilderin Silke Ziehl, mit einem ihrer Assistenten Bernhard Schlage

Aber vorerst befand ich mich nicht in der Ausbildung, sondern in der Therapie. Und es war mir mehr als fremd, dass ich nicht so viel wie ich es gewohnt war über meine Probleme sprechen sollte, sondern wir anfingen, am Körper zu arbeiten und Emotionen aufstiegen, von denen ich nicht wusste, woher sie plötzlich kamen. Es war manchmal beängstigend für mich, denn auf einmal konnte ich mich nicht mehr so stark kontrollieren, wie ich es bisher durch schlaues Wissen gewöhnt gewesen war. Das hatte ich schon einmal innerhalb meines Studiums erlebt und es irritierte mich nach wie vor.

Und dieser Schritt, wie noch so viele weitere, war eine große Veränderung für mein ganzes weiteres Leben.

Kleine Geschichte zum Start der Therapie

Dazu gibt es eine lustige Anekdote: Ich hatte 60 Minuten Zeit, um den Therapeuten Bernhard Schlage kennen zu lernen, ihm alle Fragen zu stellen, die ich loswerden wollte, um eine Entscheidung treffen zu können, ob ich mir vorstellen konnte, eine solche Art von Therapie dort zu beginnen. Aber auch um mich vor allem damit vertraut zu machen, WIE diese Therapie ablief. Wir würden zu gegebener Zeit beginnen, am unbekleideten Körper zu arbeiten. Denn es ging ja um Faszienarbeit, tiefe Bindegewebsarbeit. Und das zu einer Zeit, wo Faszien noch längst nicht so modern waren wie heute. Auch wenn der von mir so bezeichnete Faszienpapst Robert Schleip auch zu der Zeit schon lange mit den Faszien beschäftigt und am forschen war.

Ich selber, innerhalb einer Sitzung der PI

Es war ein sehr spannendes Gespräch. Um ehrlich zu sein, konnte ich mir noch nicht wirklich vorstellen, was mein Bindegewebe mit meiner Seele zu tun haben sollte, aber ich fand es interessant genug, um mich darauf einzulassen. Vom Inhalt des Gesprächs weiß ich nicht mehr so viel, nur meine denkwürdigen letzten Sätze sind mir noch sinngemäß in Erinnerung.

Hilkea – at her best, 😉

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine recht unverblümte Offenheit und meinte gegen Ende des Gesprächs: “Zwei Dinge sind mir noch wichtig zu sagen. Ich möchte auf keinen Fall, dass in dieser Therapie auf mich eingewirkt wird, dass ich meinen Freund verlassen soll, weil er nicht gut für mich ist. (die meisten meiner Freundinnen waren dieser Ansicht) Ich möchte das hier nicht thematisieren. Und ich will mich auf keinen Fall in dich, meinen Therapeuten verlieben. Darüber habe ich schon viel gelesen und das führt nur zu Schwierigkeiten. Und außerdem stört es den therapeutischen Prozess. Aber da sehe ich keine Gefahr, du bist überhaupt nicht mein Typ”

Schön, dass der Therapeut es mit Humor nahm und mich trotzdem die Therapie beginnen ließ.

Und so viel zu den guten Vorsätzen. 😉

Ihr könnt euch schon denken, was passierte. Erst verliebte ich mich natürlich doch unsterblich in meinen Therapeuten, der damit übrigens in einer Art umging, die für mich unglaublich heilsam und schön war. Aber das wäre eine andere Geschichte.

Und am Ende der Ausbildung, die ich nach einigen Jahren Therapie dann begann, verließ ich meinen damaligen Freund, weil er nicht gut für mich war. Wer hätte das gedacht? Ich ging allerdings nicht, um mit meinem Therapeuten in ein großartiges neues Leben zu starten, sondern ich lernte meinen Mann kennen, der heute immer noch gut für mich ist – allerdings “nur noch” als Vater unseres wundervollen Sohnes und als guter Freund.

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