Schreib-Freundinnen oder Wir im Kachelfeld

Herz Glückwunsch Computer aus dem sich zwei Menschen die Hand geben

Der letzte, der 33. Tag des Schreibkurses mit Monika Stolina. Heute. Die letzte Runde mit diesen Frauen. Wofür sind wir dankbar? – die erste Frage an jede einzelne von uns.

Diesen Blog-Artikel widme ich Monika Stolina und den Schreib-Freundinnen meines ersten Kurses “Schreib dein Buch in 33 Tagen”.

Ich bin Monika dankbar, dass sie den Funken für mein Buch neu entzündet hat und mir einen Raum gegeben hat, in dem ich mich der Struktur des Buches nicht nur wieder annähern konnte, sondern mich sowohl mit Rat und Tat als auch mit großen Freiräumen unterstützt gefühlt habe.

Die Frauen meines Schreibkurses

Ich schaue die Frauen in diesen mehr oder weniger großen Kacheln an. Mit jeder von ihnen verbindet mich etwas. Sei es die Frau, mit der mich meine Liebe und Kenntnis von Theater, Oper und Dramaturgie gleich im ersten Meeting verbunden hat oder die Sängerin, deren Klavier ich jeden Morgen früh um 6:00 h hinter ihr geöffnet stehen sehe. Dort singt jemand, dort wird unterrichtet, genau wie bei mir. Und beide schreiben wir an einem Buch – wie wunderbar.

Gleich auch im ersten Meeting die Frau, die erzählte, sie sei gerade auf einer Fortbildung am Vierwaldstätter See. Meine erste Assoziation: See – Weggis – Somatic Experience stellte sich als wahr heraus. Wow, jemand aus dem SE Feld, hier in meinem Schreibkurs.

Und unsere radikale Poetin. Diesen Ausdruck wählte Monika für sie als ich das erste Mal Kontakt mit dieser Gruppe der schreibenden Frauen hatte. Ein merkwürdiges Wort wie ich fand, denn ist Poesie nicht etwas, was sanft und zart für sensible Gemüter, etwas abgehobene oder abgedrehte Menschen ist? Gedichte lesen nur die Gebildeten, die sich in anderen Sphären befinden. All meine verinnerlichten Ideen, was Poetinnen und Poeten für Menschen sind – und wie die Menschen sind, die Gedichte lesen. Dabei weiß ich doch aus eigener Erfahrung, dass Gedichte etwas sehr lebendiges sind. Ich habe sie schon immer geliebt, habe Mengen von ihnen abgeschrieben, in einem eigenen Buch gesammelt, die wichtigsten von ihnen immer wieder und wieder gelesen.

Und schon bald war klar, sie schreibt gar keine Gedichte, aber die ganze Sprache ist voller Poesie, voll kraftvoller Bilder, Gedanken, die ich selber nicht zusammen gebracht hätte. Gedanken, die mich manchmal zum Weinen gebracht haben, weil sie in mir Gefühle berührt haben, die ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Und nicht nur schöne Gefühle. Ich erinnere mich, wie ich es kaum noch aushielt als es um Narzissten ging und das, was einem geschehen kann. Ich wollte das erste und einzige Mal den Ton ausdrehen, nichts mehr hören und wusste selbst nicht, was da in mir losgetreten wurde. Was aber unter anderem losgetreten wurde, war ein ganzer Schwung von Cluster-Bildern, die den Grundstein für den zweiten Teil meines Buches legten – wieder einmal wow – hoch interessant, wie sich Kreativität und Inspirationen Bahn brechen.

Und die Geschichten, die ich in der ersten Lesung hören durfte. Der ausgestopfte Hund ließ mich gar nicht wieder los. Wie kann man leben mit einem ehemals echten, jetzt präparierten Tier? Kindergeschichten, die mich berührt haben, Phantasy, die mich in den Bann zog.

Wir haben geteilt, was das Leben uns angeboten hat

Echt durften wir sein. Ganz wir selbst. Traurigkeit, Zweifel und auch Tod, Verlassen sein, Krankheit – all das hatte Platz, floss wie selbstverständlich in den Schreibprozess hinein.

Und immer wieder wunderbare Sätze im Chat. Mal Zuspruch, mal Begeisterung, Mitgefühl, tolle Tipps und Tricks – alles hatte in diesem kleinen chat Platz.

So wie auch die Bezeichnung der SCHREIB-FREUNDINNEN die heute auf einmal in den virtuellen Raum geworfen wurde. Ja, Freundinnen sind sie mir allesamt geworden. Denn ich durfte mich zeigen, auch wenn ich mal nicht voller Energie war. Oder auch dann, wenn ich mit meiner manchmal übergroßen Energie und Begeisterung, die nicht weiß, wohin sie sich noch verströmen möchte, das Gefühl hatte, den Raum zu sprengen. Alles war willkommen, fand eine mitfühlende Resonanz. Das ist Freundschaft, wie ich finde.

Frauen im Kachelfeld

Und der wunderbare Satz: Wir im Kachelfeld. Danke für diese Inspiration. Ich hatte sofort einen Blog Artikel vor Augen. Ein kurzes Zögern, denn schließlich stammte der Titel nicht von mir, aber wie meine derzeitige Blogger-Fee Judith immer sagt: selbst wenn wir alle das gleiche Thema verbloggen, werden komplett unterschiedliche Texte dabei heraus kommen und das ist doch wunderschön und spannend. Freundschaft eben und keine harte Konkurrenz.

Übrigens ein tolles Thema, um eine Blog-Parade zu starten. Mich würde es unglaublich interessieren, wie wir diese Zeit erleben, wo Kontakte geprägt sind durch die kleinen Kacheln bei Zoom. Wie viel Kontakt ist denn möglich? Können Freundschaften entstehen? Können wir uns fühlen? Fühlen wir uns bereichert durch diese weltumspannende Möglichkeit von neuen Kontakten?

Kontakt 2020

Ich fühle mich im Kontakt mit einer Frau aus Wien, kann die Kaffeehaus-Atmosphäre, die ich dort erlebt habe wieder hoch holen. Ich fühle mit meinen argentinischen Freundinnen und Freunden, wenn ich einen Gesangskurs für sie gebe und die Tränen der Berührung in ihren Augen sehe oder in ihren Worten höre. Auf einmal sind wir uns wieder so nah. Eine Frau, die ich in einem Kurs für Musiker:innen kennen gelernt, hatte traf ich neulich live und in Farbe. Es war, als würden wir uns schon ewig kennen und gar nicht so anders als im Bildschirm – eben vertraut auf einer Ebene.

Die Zeile WIR IM KACHELFELD wird mich sicherlich immer an diese Zeit erinnern, wird ein Bild sein, was bleibt. Bei mir und vielleicht auch bei anderen. Wenn wieder alles “normal” sein wird und wir an diese Zeit zurück denken.

Dankbarkeit

Und ich werde mit Dankbarkeit zurück denken. Denn ohne, dass mir im März 2020 auf einmal das Arbeiten, wie ich es bis dahin kannte, verboten worden wäre, hätte ich nie begonnen dies Buch zu schreiben, hätte ich nie all diese wunderbaren neuen Menschen kennen gelernt, wäre ich nie auf Monika Stolina gestoßen, deren Kurs ich heute mit einer Lesung beenden werde, wäre ich nie auf die Autorin gestoßen, die heute schrieb: WIR IM KACHELFELD

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