Der Urknall meines ersten Buches

Der Urknall zum Beginn

Am letzten Wochenende im April 2021 ging der Schreibkurs mit Monika Stolina und 11 wunderbaren Frauen los.

Zu Beginn sprachen wir über uns und unsere Buchprojekte. Monika hat eine wunderbare Art, wesentliche Dinge aus uns allen hervor zu locken.

Für mich wurde es ein wahrer Urknall. Ein Fachbuch soll es bei mir werden. Ich schreibe seit Beginn der Corona Krise an einem Buch über die Stimme und das Nervensystem. All das Wissen, was in den Jahren in mich eingeflossen ist möchte schon lange geteilt werden.

Und es geht mir um so viel mehr als um wissenschaftliche Theorien. Aber um was alles es vielleicht gehen wird, wurde an diesem Wochenende auf einmal klarer. Denn in einem Arbeitsumfeld, wo ich zum großen Teil von Männern umgeben bin, kam auf einmal das Thema Frau sein und Weiblichkeit durch. Es brach förmlich aus mir heraus. Wie leid ich es bin, dass ich mich mein Leben lang in wesentlichen Fragen an Männern orientiert habe. Das soll nichts gegen die Männer sagen, ich habe wunderbare Dinge von ihnen gelernt, mit vielen von ihnen arbeite ich sehr kreativ, produktiv und in der Tiefe verbunden zusammen.

Aber mir fiel auf, dass die weiblichen Wurzeln so unterrepräsentiert sind in meinem eigenen Leben, gerade wenn es um die Fragen von Wissenschaftlichkeit und Arbeit, von Ausbildung geht.

Im Einzelcoaching mit Monika wurde mir klar, dass ich diese verschiedenen Seelen in meiner Brust wohnen habe. Da gibt es diese eine Seite in mir, die schon immer stark war und sich mehr in den Vordergrund gespielt hat. Diejenige, die klug ist, die recht schnell und komplex denkt, die immer wieder Sachbücher liest, die sich von Gedanken regelrecht begeistert davon tragen lässt. Aber die auch unglaublich selbstkritisch ist, die sich nie gut genug fühlt, die von einer Herausforderung zur anderen eilt, eine Ausbildung nach der anderen absolviert, um endlich gut genug zu sein, um endlich ganz oben mitspielen zu dürfen und mitzuhalten.

Und da fehlt etwas. Ein wichtiger Teil kommt eher selten zu Wort. Und nach dieser Seite, nach diesem Teil kann ich meine Freunde und Kollegen nicht fragen. Sie sind Männer, sie denken anders, sie erleben sich und die Welt anders. Und sie geben mir ein anderes Feedback als es meine Freundinnen tun. Das ist normal und für mich völlig in Ordnung so.

Wo also ist meine weibliche Sicht auf die Dinge, auch auf die wissenschaftlichen Fakten? Ist das überhaupt erlaubt? Ist das noch wissenschaftlich?

An diesem Wochenende habe ich beschlossen, dass ich es wagen werde, die beiden Pole in mir zu verbinden. Ich schreibe ein Fachbuch, was anatomische, physiologische und neurologische Grundlagen und Gedanken beschreiben wird. Ich werde mich aber als Mensch, als weiblicher Mensch, als Frau nicht aus dem Buch heraus ziehen. Das wird ein Abenteuer, denn bisher war alles so weit ich es einrichten konnte fein säuberlich getrennt. Und das möchte sich jetzt verändern. Ich möchte es ändern.

Und so wie mein Leben bisher vielfältig gewesen ist, aus ganz unterschiedlichen Bereichen bestanden hat, die Ausbildungen vielfältig und breit aufgestellt sind, so möchte ich auch dies Abenteuer Buch gestalten – mit der Vielfältigkeit einer Frau, die sich ihr Leben lang den Kopf darüber zerbrochen hat, was denn richtig und passend sei. Und die meinte, sich entscheiden zu müssen, was sie nun wirklich machen sollte, für was sie denn nun steht.

Aber ich stand fast 60 Jahre meines Lebens für Vielseitigkeit, für männliche und weibliche Seiten an mir, für Fühlen, für Denken, für zu-viel sein und zu-wenig sein, lieber Therapeutin sein, lieber Sängerin sein, lieber Gesangslehrerin sein, lieber Chorleiterin sein, lieber Workshopleiterin sein, große Meditierende werden, in der Tantra Szene eintauchen, eine leidenschaftliche und natürlich großartige Tänzerin sein oder werden.

Und was auffällt sind die Dualitäten und teilweise auch Extreme, immer wieder. Ganz oder gar nicht – gut oder schlecht – siegen oder verlieren – Koryphäe oder ein unwissendes Nichts.

Und wie wäre es, wenn es nicht schwarz oder weiß, ein Entweder-Oder sein müsste, wenn das alles zu mir gehört, wenn es Grauschattierungen, Farben und Übergänge geben dürfte, wenn sich alles verträgt? Endlich Frieden in mir selbst mit all dem, was mich antreibt, es zur Ruhe kommen lassen, stehen lassen und die Vielfältigkeit feiern.

Es wird also ein Buch aus diesem Blickwinkel, meine vielen Seiten dürfen zu Wort kommen. Und es wird ein Buch vor allem für Gesangslehrerinnen und Gesangslehrer.

Ich schreibe über die Stimme, genauer gesagt, über den Kehlkopf, den Vokaltrakt, die Atmung, den Körper. Und ich schreibe über das Nervensystem. So ganz allgemein, aber auch im Besonderen über die Polyvagaltheorie und das Social Engagement System. Auch die Körpertherapieansätze von Posturaler Integration, von Somatic Experience und Bodynamic werden angeschaut. Was bedeutet Kommunikation in Bezug auf die Stimme?

Das Abenteuer hat begonnen. Ich bin gespannt und nehme euch mit auf die Reise der Entstehung. Die innere Entstehung vor allem zu diesem frühen Zeitpunkt.

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